Über das Projekt

Vorwort von Bundesministerin Dr.in Sonja Hammerschmid

Fotocredit: Daniela Beranek/Vetmeduni Vienna

Der gerechte Zugang zu Bildung, unabhängig von sozialer Herkunft, steht für mich als Bildungsministerin im Zentrum meiner Arbeit. Die Bekämpfung von Diskriminierung der Roma und die Förderung ihrer sozialen und wirtschaftlichen Integration müssen eng miteinander verknüpft werden. Das Bildungssystem spielt für die positive Entwicklung eine tragende Rolle, insbesondere auch, um Ausgrenzungsmechanismen und Vorurteilen in der Gesellschaft entgegen zu wirken.

Die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit der jahrhundertelangen Verfolgungs- und Diskriminierungsgeschichte der Roma im Unterricht ist für mich unbestritten. Ebenso wichtig ist es aber, das Thema „Roma in Österreich“ nicht nur auf diesen einen Aspekt zu reduzieren.

In Europa leben etwa zwölf Millionen Roma, oftmals am Rande der Gesellschaft und in Armut. Durch den im April 2011 verabschiedeten EU Rahmen für nationale Strategien zur Integration der Roma wurden die Mitgliedstaaten der Europäischen Union aufgefordert, wirksame und zugeschnittene Integrationsstrategien sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der Roma festzulegen.

Grundlage für Integration bilden Anerkennung und respektvoller Umgang in der Gesellschaft, Tag für Tag, nicht nur zu feierlichen Anlässen. Dabei geht es auch um Verantwortung und Selbstbewusstsein sowie darum, die Sichtbarkeit der Roma und Sinti als Teil einer offenen, aufgeklärten und pluralistischen Gesellschaft zu erhöhen.

Mit dem Romane Thana Unterrichtsmaterialprojekt setzt mein Ressort einen weiteren wichtigen Impuls im Rahmen der österreichischen Roma-Strategie, um an Österreichs Schulen verstärkt Einblicke in die Lebenssituation von Roma und Sinti und deren Geschichte und Geschichten zu ermöglichen. Wir brauchen junge Menschen, die antiziganistischer Diskriminierung entgegentreten und bereit sind eine offene, demokratische und diverse Gesellschaft mitzugestalten.

Darstellungen von Roma und Sinti stammten über Jahrhunderte hauptsächlich von Nicht- Roma. Dies umfasst Bilder der Ablehnung und Verachtung ebenso wie romantisierende Stereotypen. Umso wichtiger ist es aus meiner Sicht, dass das Romane Thana Unterrichtsmaterial auf Beiträgen basiert, die von AutorInnen aus unterschiedlichen Roma- und Sinti-Communities gestaltet wurden und deren Perspektiven in den Mittelpunkt stellen. Ich danke allen beteiligten ProjektpartnerInnen für die Zusammenarbeit und hoffe, dass die Materialien wertvolle Anregungen für den Unterricht geben und intensiv genutzt werden.

Ihre
Sonja Hammerschmid
Bundesministerin für Bildung

Romane Thana - Unterrichtsmaterial

Die Unterrichtsmaterialien romane-thana.at wurden ausgehend von der Ausstellung „Romane Thana – Orte der Roma und Sinti“ entwickelt und sollen eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Geschichte und der aktuellen Lebenssituation von Roma/Romnja und Sinti/Sintize im österreichischen Schulsystem ermöglichen. Das Projekt soll für LehrerInnen zahlreiche Anregungen zur Umsetzung des Themas im Unterricht bieten und Bewusstsein für die jahrhundertelange Diskriminierung von Roma und Sinti schaffen. Dadurch soll auch ein Beitrag zum Abbau von Vorurteilen geleistet werden. Der Ausstellungsrundgang fasst die wesentlichsten Inhalte und Objekte der Ausstellung zusammen. Ergänzend dazu bietet www.romane-thana.at in den Kapiteln des Ausstellungsrundgangs unter Unterrichtsmaterial speziell aufbereitete Texte sowie methodische Vorschläge und Stundenbilder.

Für wen ist das Unterrichtsmaterial geeignet?

Die meisten der angebotenen Materialien und behandelten Themen sind für Schüler/innen ab der 6. Schulstufe geeignet, teilweise bereits ab der 5. Schulstufe (Angaben dazu befinden sich jeweils im Download Erklärungen). Die Materialien können in den Fächern Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung, Deutsch, Geografie und Wirtschaftskunde sowie fächerübergreifend verwendet werden.

Woraus besteht das Unterrichtsmaterial?

Die sechs im Bereich Unterrichtsmaterial angebotenen Themengebiete sind Vorschläge für thematische Schwerpunktführungen durch die Ausstellung, in denen jeweils eine Auswahl der Ausstellungskapitel gezeigt wird. Am Ende der einzelnen Kapitel wird dann zusätzliches Material zur Bearbeitung in der Klasse angeboten:

  • Text zum inhaltlichen Schwerpunkt/Vermittlungsansatz des Kapitels. Hier finden sich die Herangehensweise an ein Thema im Unterricht, Hinweise für vorbereitende Literatur für Lehrpersonen sowie Links zu den themenrelevanten Beiträgen des Ausstellungskatalogs (diese stehen dann zum Download bereit). Sollte für die Bearbeitung des Themas Vorwissen erforderlich sein, ist das ebenfalls hier angegeben.
  • In den Erklärungen (Download) finden Sie detaillierte Aufgabenstellungen und Übungen sowie Angaben zu den Lernzielen und für wen das Thema/Material geeignet ist.
  • Die Stundenbilder liefern Anregungen zur Gestaltung von Unterrichtseinheiten.
  • Die Arbeitsblätter mit Bild- und Textbeispielen oder konkreten Fragestellungen sind zur Vervielfältigung für Schüler/innen bzw. Schüler/innen-Gruppen gedacht.
  • Zusätzlich finden sich im Bereich Unterrichtsmaterial ein Lexikon sowie einen Methodenkatalog mit Vermittlungsmethoden, die sich zur Bearbeitung verschiedener Themenbereiche eignen.

Wer hat es gemacht?

www.romane-thana.at wurde von Romano Centro im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung (BMB) und in Kooperation mit der Initiative Minderheiten, dem Landesmuseums Burgenland und dem Wien Museum erstellt.

Auswahl der Objekte für den virtuellen Rundgang: KuratorInnen der Ausstellung (Andrea Härle, Cornelia Kogoj, Werner Michael Schwarz, Michael Weese, Susanne Winkler) gemeinsam mit den Vermittlerinnen (Elisabeth Heimann, Irmi Mac Guire, Christine Strahner).

Erstellung des Unterrichtsmaterials: Elisabeth Heimann, Irmi Mac Guire, Christine Strahner (Kulturvermittlerinnen im Wien Museum)

Erstellung der Stundenbilder und Erprobung im Unterricht: Ingrid Giessmann und Katharina Poandl (Lehrerinnen an der Praxismittelschule der PH Wien, Grenzackerstr. 18, 1100 Wien)

Korrekturen: Ferdinand Koller, Romano Centro

Beratung: Kulturkontakt Austria, Ulrike Gießner-Bogner, Barbara Neundlinger

Webdesign: Marek Krzemień

Programmierung: Vienom

Projektleitung: Andrea Härle, Romano Centro

Mit freundlicher Genehmigung der Autor/innen von Ausstellungstexten und Katalogbeiträgen:

  • Gerhard Baumgartner
  • Karin Berger
  • Klaus-Michael Bogdal
  • Usnija Buligović
  • Beate Eder-Jordan
  • Barka Emini
  • Christiane Fennesz-Juhasz
  • Robert Gabris
  • Andrea Härle
  • Ursula Hemetek
  • Gilda Horvath
  • Manuela Horvath
  • Stefan Horvath
  • Willi S. Horvath
  • Martina Kempf-Giefing
  • Cornelia Kogoj
  • Ferdinand Koller
  • Peter A. Krobath
  • Rabie Perić
  • Žaklina Radosavljević
  • Susanne Schmatz
  • Werner Michael Schwarz
  • Erika Thurner
  • Maria Teschler-Nicola
  • Barbara Tiefenbacher
  • Michael Weese
  • Marius Weigl
  • Manuel Weinrich
  • Tamara Weinrich
  • Petra Wetzel
  • Susanne Winkler

Dank an

  • Akademie Graz, Astrid Kury
  • Wien Museum
  • Landesmuseum Burgenland
  • Landesarchiv Burgenland
  • Christian Plattner
  • Initiative Minderheiten
  • Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Christiane Fennesz-Juhasz
  • Mozes F. Heinschink
  • Navigatorfilm-Produktion, Johannes Rosenberger
  • Ulli Gladik
  • Talking Letters, Lila Braila
  • Familie Stojka

Gendergerechte Sprache

Wir verwenden in den Texten der Website und den Unterrichtsmaterialien gendergerechte Sprache. Historische Originaltexte bleiben unverändert, ebenso die Ausstellungstexte, die wir so übernommen haben, wie sie in der Ausstellung zu sehen waren.

Barrierefreiheit

Die Website Romane Thana richtet sich soweit möglich nach den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0. Die Prinzipien dieses Ansatzes sind: Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Robustheit. Die vorgeschlagenen Richtlinien wurden soweit es der Inhalt und die verwendete Technik zuließen umgesetzt.

Feedback

Wir freuen uns über Ihr Feedback! Wenn Sie uns Ihre Erfahrungen mit dem Unterrichtsmaterial mitteilen, Verbesserungen anregen möchten, oder Fehler gefunden haben. Bitte schreiben Sie an:

info@romane-thana.at

Ausstellung: Romane Thana – Orte der Roma und Sinti

Die Ausstellung Romane Thana – Orte der Roma und Sinti gibt Einblick in Geschichte und Gegenwart von Roma und Sinti in Österreich. Im Zentrum der Ausstellung stehen elf dokumentarische und künstlerische Positionen von Roma/Romnja und Sinti/Sintize, als Gegenerzählung zur vorherrschenden und häufig stereotypen Darstellung von außen. Romane Thana geht von gegenwärtigen Lebenssituationen aus. Geschichte wird insoweit thematisiert, als ihre Kenntnis erforderlich ist, um die Gegenwart zu verstehen.

Romane Thana erzählt von den Roma-Siedlungen im Burgenland, von den Wiener Lovara, die sich in Floridsdorf niedergelassen haben und von Roma und Romnja, die als „Gastarbeiter/innen“ aus dem damaligen Jugoslawien nach Österreich gekommen sind. Sie zeigt auch die Diskriminierung und Verfolgung, der Roma ausgesetzt waren und sind, die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten und die gesellschaftliche Ignoranz nach 1945.

Die Ausstellung Romane Thana – Orte der Roma und Sinti ist in einer Kooperation von Romano Centro, Initiative Minderheiten, Wien Museum und Landesmuseum Burgenland entstanden. Sie wurde vom 12. Februar bis zum 17. Mai 2015 im Wien Museum gezeigt und von rund 23 000 Personen besucht. Romane Thana – Orte der Roma und Sinti ist vom 13. Mai bis 13. November 2016 in der Landesgalerie Burgenland zu sehen. Das vorarlberg museum in Bregenz wird die Ausstellung vom 24. Mai bis zum 8. Oktober 2017 zeigen.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Kurator/innen: Andrea Härle (Romano Centro), Cornelia Kogoj (Initiative Minderheiten), Werner Michael Schwarz (Wien Museum), Michael Weese (Landesmuseum Burgenland), Susanne Winkler (Wien Museum)

Mit Beiträgen von: Gerhard Baumgartner, Usnija Buligović, Barka Emini, Robert Gabris, Lilly Habelsberger, Gilda Horvath, Manuela Horvath, Stefan Horvath, Willi S. Horvath, Rabie Perić, Žaklina Radosavljević, Marius Weigl, Manuel Weinrich und Tamara Weinrich

Assistenz: Katrin Totschnig

Architektur: Alexander Kubik

Ausstellungsgrafik: Olaf Osten

Medien: Monica Parii und Patrick Spanbauer, On Screen

Übersetzung Englisch: Wolfgang Astelbauer, Sabrina Rahman

Übersetzung Romanes: Mozes F. Heinschink, Emmerich Gärtner-Horvath

Ausstellungsproduktion: Theresia Gabriel (KSB – Kultur-Service Burgenland), Bärbl Schrems (Wien Museum)

Ausstellungssponsoren: Arbeiterkammer Wien, BKA-Kunst, Zukunftsfonds, Nationalfonds, Erste Stiftung, Wien Kultur, BKA-Volksgruppen

Ausstellungskatalog

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Hier kann man die ersten Seiten durchblättern.

Der Katalog enthält Texte zur Entstehung der Ausstellung, Abbildungen der wesentlichen Objekte, Ausstellungstexte und die Beschreibungen aller Ausstellungsteile, insbesondere der Community Beiträge. Zusätzlich dazu bietet der Katalog interessante Beiträge von GastautorInnen und ist ein interessantes und vielseitiges Nachschlagewerk zum Thema Roma in Österreich geworden.

Der Katalog ist im Wien Museum und im Romano Centro erhältlich, Bestellungen per Onlineformular des Wien Museums oder per Mail an: office@romano-centro.org

Gastbeiträge

Margareta Matache: Zehn Jahre um etwas zu verändern. Abbau alter Nicht-Roma-Privilegien oder Weg in die Integrationsmüdigkeit?

Markus End: Was ist Antiziganismus?

Klaus Michael Bogdal: Die Erfindung der „Zigeuner“. Diskurse über die Romvölker.

Erika Thurner: Roma in Österreich, österreichische Roma-Politik. Weichenstellungen in der Zweiten Republik.

Marius Weigl: Fremdmachung und Entrechtung. Der polizeiliche Ordnungsbegriff „Zigeuner“ in Österreich 1918-1938

Gerhard Baumgartner: Auf den Spuren der „verschwundenen“ Roma-Siedlungen des Burgenlandes

Gerhard Baumgartner: Der Genozid an den österreichischen Roma und Sinti

Karin Berger: Ceija Stojka – Lebensorte. Zum Leben und Schreiben Ceija Stojkas (1933-2013)

Christiane Fennesz-Juhasz: Ein virtueller Romano Than. Die Sammlung Heinschink

Susanne Schmatz/Petra Wetzel: Zugewanderte Roma/Romnja. Ein Blick auf deren Beschäftigungs- und Bildungssituation in Wien

Ursula Hemetek: Roma und die Musik

Dieter W. Halwachs: Das österreichische Romani-Projekt

Beate Eder-Jordan: Literarische Orte der Roma

Tímea Junghaus: Widerstand ist nicht genug. Die Rolle der Roma-Kunst unter gegenwärtigen Bedingungen.

Martina Kempf-Giefing/Ferdinand Koller/Peter A. Krobath: Unwesen, Schande, Mafia. Zur medialen Darstellung bettelnder Menschen in Österreich

Barbara Tiefenbacher: Migration als Überlebensstrategie. Erfahrungen und Sichtweisen von in Graz bettelnden Menschen aus der Slowakei