4. Februar 1995 - Der Bombenanschlag gegen die Volksgruppe der Roma in Oberwart Unterrichtsmaterial

Kapitel 25Das blaue Herz

Wien/Udine, 2014

Beitrag von Robert Gabris


Diese fünf Kupferstiche erzählen die Geschichte eines Roma-Dorfes in der Slowakei. Viele der Einwohner verbrachten lange Jahre ihres Lebens im Gefängnis und tätowierten sich dort ihre Lebensgeschichten auf die Haut. Mein Vater ließ mich sein gezeichnetes Archiv fotografieren und ich habe seine Geschichte in Blech geritzt und somit verewigt.

Das Blaue Herz, 2014
Robert Gabris, Wien Das Blaue Herz, 2014

Kupferstich, 70 x 50cm

Auch mein Vater hat viele Jahre im Gefängnis verbracht. Er erzählte mir, dass er dort eine wichtige Rolle hatte: Er war der Tätowierer. Meine Kupferstiche thematisieren den Moment, in dem sich mein Vater unter Schmerzen die Erinnerungen seiner Familienangehörigen in die Haut ritzt. Er trägt auf seiner Brust und seinen Ohren wichtige Daten: den Todestag der ersten Tochter oder Zitate aus den Briefen geliebter Menschen.

Je suis Perdu / Ich bin verloren, 2014
Robert Gabris, Wien Je suis Perdu / Ich bin verloren, 2014

Kupferstich, 50 x 70cm

Die Drucke wurden in der Grafikwerkstatt Stamperia d’Arte Albicocco in Udine angefertigt.

Inhaltlicher Schwerpunkt / Vermittlungsansatz

Das, »was sein Vater später ins Grab mitnehmen wird«, da es sich um auf Haut tätowierte Notizen handelt, hat sein Sohn, der an der Hochschule für darstellende Künste in Bratislava und an der Akademie für Bildende Künste in Wien ausgebildete Künstler Robert Gabris in Kupferstichen dokumentiert. Diese bilden eine etwas langlebigere Erinnerung als es die Aufzeichnungen auf der schnell vergänglichen menschlichen Haut darstellen. Gabris übernimmt für die Dokumentation die Technik seines Vaters, das Ritzen mit einer Nadel, nur eben auf Kupfer, übertragen auf Papier, einem einfacher zu archivierenden Material als die menschliche Haut. Seine Kupferstiche zeigen gewisse tätowierte Körperstellen seines Vaters, wie z.B. seine Fußsohle, die den Satz »Ich bin verloren« trägt. Er hält darin gleichzeitig Familien-, aber auch allgemeines Romaschicksal in der Slowakei fest, wo es verstärkt zur Kriminalisierung und Inhaftierung von Roma kommt, über die Robert Gabris in der Darstellung von verschiedenen Tätowierungen, einer ursprünglich typischen Gefängnis-Ausdrucksweise, reflektiert.

In Bild- und Textanalysen der Kupferstiche und der Bildtitel wird die Möglichkeit eines Herangehens an die Problematik über eine künstlerische Ebene geboten, die in einer weiteren Übung in Form einer Internetrecherche zu weiteren Werken Robert Gabris, in denen er sich u.a. mit dem Fremdbild, seinem Romadorf usw. beschäftigt, vertieft werden kann.

Literatur / zur Vorbereitung fĂĽr die Lehrpersonen: